Aktuelles
Beginn neuer Vorkurs
Der neue Vorkurs der St. Johannes-Chorknaben beginnt am Montag, 5. Oktober 2026.
Termin: Immer montags von 17.30 Uhr bis 18.15 Uhr im Katholischen Gemeindehaus Bad Saulgau.
Weitere Informationen: Siehe Flyer.
Rezension zum Jahreskonzert 2025
von Hugo Birkhofer Seit über 60 Jahren reifen wie selbstverständlich, begleitet von Meisterwerken der Musikgeschichte, Jungs bei den St. Johannes-Chorknaben heran und nehmen einzigartige Erfahrungen mit für ihr Leben. Soziale Kompetenz und emotionale Intelligenz sowie professionelles Auftreten werden erlernt. Das Konzert am 9. November mit Werken von Mozart, Schütz und Schubert gab davon Zeugnis.
Die Spitzenwerke der Musikliteratur, „Credo-Messe“ von Mozart, Schuberts „Magnificat“, sowie Schütz „Jauchzet dem Herrn“ entfesselten das Können des Chores: Eine Riesenherausforderung der Soprane; Geschmeidigkeit, Sprachdisziplin, Konzentration wurde allen Stimmen abverlangt.
Ehrfurchtvolle Stille im Kirchenraum, unprätentiöses Auftreten, dann eine Explosion von Klangpracht und Innigkeit: Das Magnificat von Schubert. Der Text konzentriert ja die ganze Heilsbotschaft des Evangeliums, und da waren die Soprane besonders gefordert. Gelungen! Lob der Stimmbildung (Dorothée Babst, Christine Braig)!
Mit der großen Credo - Messe hat Mozart im engen Zeitrahmen musikalisch den Text gedeutet. Zum Beispiel: Ständige fröhliche Credo-Rufe, wunderbar liedhaftes „Et incarnatus est“: die Menschwerdung. Dramatisch dunkel die Passionsszene, strahlender Optimismus der Erwartung ewigen Lebens, das ist komponierte Fülle des Textes aus Mozarts Genialität. Das inständige „Dona nobis pacem“ aber doch heilsgewiss, die Ausführenden hatten verstanden: die bedrohte Menschheit weiß den wahren Frieden von Gott kommend. Nicht weniger Einsatz verlangten die anderen Teile der Messkomposition.
Den Beteiligten rund um Volker Braig gelang ein mitreißender Einblick in die Möglichkeiten der Messvertonung, die Mozart zu heben verstand. Freudige Auseinandersetzung mit dem Meisterwerk, ja, Musizierlust bis zum Augenzwinkern: „Hosanna in excelsis“: Da wirbelte, blitzte und funkelte das Gotteslob, dass die Engel gleich mit einstimmen mochten, denn es geht die Kunde, dass im Himmel natürlich Bach musiziert wird, der liebe Gott aber besonders gern zuhört, wenn Mozart gespielt wird. (Karl Barth).
Ja, eine musikalische Rede, Klangpracht. Dazu gehörten die vier Solisten, die Schubert und Mozart als Ensemble einsetzen. Dorothée Babst, Sopran, Katharina Guglhör, Alt, Daniel Ostermaier, Tenor – als kleiner Junge hat er bei den Chorknaben angefangen – und Markus Simon, Bass. Die schönen Stimmen fügten sich als Ensemble hochmusikalisch zusammen.
Heinrich Schütz „Jauchzet dem Herrn“: Diese wiederum stringente musikalische Rede des Chores setzte ein Ausrufezeichen der Glaubensfreude, dialogisch zweichörig mit dem Orchester dargestellt.
Und nun „La Banda“, das Orchester: Seit 1998 ist dieses wunderbare Orchester mit den Chorknaben verbunden. Dessen hohes musikalisches Niveau feuert ab dem ersten Ton Chor und Solisten an. Jedes Orchestermitglied ist fähig zu fabelhaften Einzelleistungen. Die Tempi stimmen, sind stabil, die Orchesterleute sind begeistert von und mit den Chorknaben. Die Kirchensonate von Mozart, ein Edelstein sakraler Musik, der es aber in sich hat, war perfekt zu hören.
Historisch informierte Aufführungspraxis mit Klangpracht und Dynamik verband sich mit dem besonderen Strahl und der Klangkraft der Knabenstimme, im Chor mit den Stimmen junger Männer. Volker Braig hat eine große Leistung vollbracht.
Ergreifend die Dreingabe „Ave verum“, Mozarts Geniestreich. Lange Stille, Glockenläuten, von Herzen kommender langer Applaus. Welch ein Ereignis!
Chororgel in neuem Klanggewand
Sie ist in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert: Die Chororgel in St. Johannes Bad Saulgau.
Ihren Namen verdankt sie zunächst ihrem Standort im Chorraum der Kirche. Und dort dient sie zuallererst der Begleitung des Chorgesangs. Eine absolute Besonderheit aber ist es, dass sie Eigentum eines Chores selbst ist, nämlich der St. Johannes-Chorknaben Bad Saulgau.
Bereits das Vorgängerinstrument der Firma Reiser wurde auf Betreiben des langjährigen Chorleiters Hugo Birkhofer durch den Förderverein der St. Johannes-Chorknaben angeschafft. Die heutige qualitätvolle Chororgel wurde 1985 von Hubert Rebmann (Rottenburg) erbaut. Sie nimmt gestalterisch Bezug zur fünf Jahre zuvor erbauten großen Klais-Orgel, ebenfalls initiiert durch Hugo Birkhofer. Flach angelegt, erscheint die Chororgel optisch kongenial in den Chorraum hineinkomponiert.
Das Instrument wurde gründlich ausgereinigt, jede einzelne Pfeife genau untersucht. Der Winddruck der Orgel wurde neu einjustiert und die Ansprache der Pfeifen optimal darauf abgestimmt. Der Gesamtklang ist tragfähiger geworden, spricht deutlicher an und hat viel an Präsenz und Aussage im Raum gewonnen.
Neu eingebaut wurde eine Koppel, die es nun ermöglicht, das Flötenregister des Obermanuals mit dem Hauptwerk zusammen zu spielen. Ebenfalls neu ist der Tremulant, der einen „lebendigen“ Wind erzeugt, dem Vibrato der menschlichen Stimme vergleichbar. Zudem verleiht die neue leicht ungleichschwebende Temperierung der Orgel einen ausgesprochen frischen Charakter.
Sämtliche Arbeiten wurden von der Firma Johannes Rohlf (Neubulach) durch die Orgelbaumeister Tobias Merkle und Thomas Dehmel ausgeführt. Dabei wurden höchste Ansprüche angelegt. Das Ergebnis als gelungen zu bezeichnen, ist eine Untertreibung. Neben der großen Königin ist die Chororgel nun ein eigenständiges, vollwertiges Instrument geworden. Ihr edler Klang erhebt sie so zur Herzogin.
Die Finanzierung von gut 25.000 € teilen sich der Förderverein der St. Johannes-Chorknaben als Eigentümer der Orgel (neue Koppelanlage und Tremulant) sowie die Kirchengemeinde St. Johannes (Reinigung, Intonation, Stimmung).
Volker Braig und Matthias Burth haben das Instrument in seinem neuen Klanggewand am 14. September 2024 erstmals im Rahmen eines Gesprächskonzertes präsentiert.
In seiner Rezension dazu schrieb Hugo Birkhofer: "Nun darf man gespannt sein, wie das Instrument, das ja für die Kirchenmusik in ihrer ganzen Qualität und Vielfältigkeit geschaffen ist, seinen Dienst versehen wird mit den Chören in Liturgie und Konzert."






